Geschichtspolitische Umdeutung, Relativierung und Revisionismus.

Dieser Text erschien zuerst 2008 als Gastbeitrag in der Broschüre „Remember the 9th of november“ der Jungdemokrat_innen/Junge Linke Brandenburg, dann in einer gekürzten und überarbeiteten Fassung in unserer Broschüre „Fragwürdige Traditionslinien“. Dies ist die ungekürzte, aber überarbeitete Fassung.

Geschichte wird erzählt und geschrieben. Dabei werden immer wieder neue Quellen erschlossen, neue Fakten zugänglich gemacht und geschichtliche Ereignisse neu gedeutet. Geschichte ist daher nicht einfach etwas, was einmal passiert ist. Der Umgang mit Geschichte stellt immer auch einen Versuch dar, Zusammenhänge zu erklären und historische Ereignisse in Bezug auf heute zu deuten. Eine neue politische und gesellschaftliche Situation ändert auch die Deutung der Geschichte, ihre Bedeutung für uns.
Die Geschichte des Nationalsozialismus nimmt in dieser Hinsicht eine besondere Stellung ein, denn sie prägt entscheidend das Selbstbild der Deutschen. Deutschland hat mit seiner geplanten und industriell durchgeführten Massenvernichtung von sechs Millionen JüdInnen, seinen Eugenikprogrammen und seinem Vernichtungskrieg in Osteuropa Verbrechen von einzigartigem Ausmaß verübt. Darum ist man in Deutschland gezwungen, sich in irgendeiner Weise zu diesen Verbrechen zu verhalten. Schließlich waren es die Eltern, Groß- oder Urgroßeltern der meisten Mehrheitsdeutschen1 und einige noch selbst, die daran mitwirkten, offen zustimmten oder es stillschweigend hinnahmen.
Die Geschichte des Nationalsozialismus wertet das Bild, das Deutsche von sich als Nation machen können, immer ab. Daher versuchen alle, die um eine positive deutsche „Identität“ bemüht sind, geschichtliche Deutungen zu finden, welche die Deutschen entlasten.
Im Folgenden soll es um solche Entlastungsstrategien gehen. Es handelt sich hierbei um Geschichtspolitik, d.h. um eine politische Auseinandersetzung, einen Diskurs, wie Geschichte zu deuten ist.

Die stärkste Form der Entlastung ist der Geschichtsrevisionismus. Als Geschichtsrevisionismus wird eine Position bezeichnet, die ein wissenschaftliches, politisches und gesellschaftlich bestehendes Geschichtsbild verändern will. Revision heißt „neu sehen“: Revisionist_innen wollen die deutsche NS-Geschichte anders sehen, als sie im öffentlichen Bewusstsein bislang gesehen wird. Und anders heißt hier immer, dass die Verbrechen der Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus geleugnet, abgeschwächt oder verharmlost werden.
Die meisten Leute verstehen unter Geschichtsrevisionismus die Leugnung der Shoah, die von der extremen Rechten betrieben wird und in Deutschland unter Strafe steht. Jedoch gibt es auch andere Formen. Nicht nur die Leugnung von Fakten verstehen wir als Geschichtsrevisionismus, sondern auch das Verstellen von Tatsachen, das Unsichtbarmachen von Zusammenhängen und die bewusste Umgewichtung von Ereignissen (wie die vorwiegende Beschäftigung der Deutschen mit dem eigenen Leid im Krieg und bei der Flucht und Vertreibung aus Osteuropa). Allerdings kann nicht bei allen Entlastungsstrategien von Revisionismus gesprochen werden. Jedoch liegen in vielen dieser Strategien revisionistische Momente oder sie bieten zumindest Anknüpfungspunkte für revisionistische Positionen.

Das ist doch alles so lange her: Schlussstriche

Dass „das“ alles schon lange her ist, davon waren die Deutschen bereits fünf Jahre nach dem Krieg überzeugt. Siebzig Jahre nach der Reichspogromnacht finden das immer noch sehr viele.
Als 1998 der Schriftsteller Martin Walser anlässlich einer Preisverleihung einer großen Zahl seiner Landsleute aus der Seele sprach, indem er befand, es sei sich genug schlechtes Gewissen gemacht worden, und Auschwitz werde moralisch instrumentalisiert, da erfand er den „Schlussstrich“ nicht neu.2 1969 soll Franz-Josef Strauß gesagt haben: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen.“3 Und in den 1980er Jahren hatte der Historiker Ernst Nolte gefordert, den Nationalsozialismus aus neutraler Distanz zu betrachten, so „daß frühere Darstellungen einer Revision unterzogen werden“4 könnten, und hatte, genau wie Walser zwölf Jahre später, in bester antisemitischer Manier vermutet, dass es den „Interessen der Verfolgten und ihrer Nachfahren an einem permanenten Status des Herausgehoben- und Privilegiertseins“5 geschuldet sei, dass eine derartige neutrale Beschäftigung nicht möglich sei.

Alles total böse: Die Totalitarismustheorie

Der Begriff Totalitarismus gilt gemeinhin als Oberbegriff für eine Einparteienherrschaft, die mit ständigem Terror regiert. Über diese allgemeine Bestimmung des Begriffes hinaus ist eine nähere Definition wissenschaftlich stark umstritten. Daher ist davon auszugehen, dass er im öffentlichen Diskurs eher als ein politischer Kampfbegriff zu werten ist, der Sowjetkommunismus und Nationalsozialismus auf einen gemeinsamen Nenner bringen soll. So wird er auch oft mit dem Begriff „Diktatur“ in eins gesetzt. Auch die DDR konnte daher unter diesem Schlagwort eingeordnet werden. Die Ostdeutschen galten damit nach der Wende als diejenigen, die „zwei Diktaturen erlebt haben“. Auch Merkel, damals noch nicht Kanzlerin, befand vor dem Bund der Vertriebenen „dass die Befreiung Europas und auch Deutschlands vom Nationalsozialismus damals für viele Deutsche keineswegs anbrechende Freiheit und das Ende von Leid bedeutete. In der östlichen Hälfte Europas und in Mittel- und Ostdeutschland [!] übernahm eine neue totalitäre Diktatur die Herrschaft.“6
Aber die Totalitarismustheorie gibt es nicht erst seit 1990: Schon 1962 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass die Totalitarismustheorie im Schulunterricht vermittelt werden müsse.7 In den siebziger Jahren wurde dieser Ansatz im politischen Klima der Entspannungspolitik wegen ihrer antikommunistischen Stoßrichtung angegriffen, verlor aber nie völlig an Bedeutung. Nach der Wende konnte sie sich wieder allgemein durchsetzen. Bis heute wird sie im (geschichts-)politischen Diskurs weithin akzeptiert.
Bei der Totalitarismustheorie kann nicht von Geschichtsrevisionismus gesprochen werden: Sie war immer die herrschende Auffassung in der Bundesrepublik. Jedoch ist sie meist eine Form von Relativierung: Erstens können mit ihr die sowjetischen Verbrechen als gleichwertig mit den deutschen dargestellt werden und zweitens kann auf ihrer Grundlage sogar behauptet werden, dass die deutsche Bevölkerung gar keine andere Wahl gehabt habe, als Hitler an die Macht zu bringen, um so eine kommunistische „Diktatur“ zu verhindern. So kann in letzter Konsequenz sogar den Kommunist_innen die wahre Schuld am Nationalsozialismus zugeschoben werden.

Ich bin´s nicht, Adolf Hitler ist´s gewesen:
Der Ver-Führer und seine Verbrecherbande

Gerne werden die Gründe für den Nationalsozialismus nicht in der politischen Situation, sondern in der Person Hitler gesucht. Dabei wird betont, dass er ein „Blender“ war, über viel „Charisma“ verfügte und besonders Frauen zu beeindrucken wusste. Besonders Guido Knopps Gruselshows auf ZDF bedienen diese Sichtweise. „Hitlers Helfer“, „Hitlers Kriege“ und „Hitlers Frauen“: wichtig sind bei diesen Darstellungen Einzelpersonen und ihre individuelle Geschichte. „Im Mittelpunkt der Politik und der Geschichte steht am Ende immer noch der Mensch, dem sich gerade an den Wendepunkten seines Daseins mehrere Möglichkeiten bieten – nicht weil ihn strukturelle Zwänge treiben oder irgendwelche dunklen Mächte, sondern oft allein die eigene Schwäche, eigener Ehrgeiz, eigenes Streben, ob nach Macht, nach Ruhm oder nach Geld. Das gilt auch für Hitlers sogenannte „Machtergreifung“, die in Wirklichkeit eine Machterschleichung [!] war.“8 Im Lichte dieser Geschichtsbetrachtung wurde das deutsche Volk verführt und dann „indoktriniert“. Die einzelnen Personen tauchen gar nicht als eigenständige handelnde Menschen auf, sondern nur noch als Objekte. So kann Knopp das deutsche Volk als Opfer der Politik eines Mannes hinstellen: „Jetzt brauchte der Diktator keine Täuschung mehr. Die erste Hälfte seiner Herrschaft hatte er sich seinem Volk verabreicht wie ein Aufputschmittel. In der zweiten Hälfte setzte er die Menschen auf Entzug und tauschte in die karge Welt der Führerhauptquartiere ab.“9
Weil die Deutschen angeblich „getäuscht“ wurden, trifft sie auch keine Schuld. Mit dieser Verengung der Täterschaft auf wenige muss das Geschehene nicht geleugnet werden, es kann sogar immer und immer wieder erzählt werden. Hinter solchen Erzählungen verschwinden dabei die große Zustimmung der deutschen Bevölkerung, ihre begeisterte Mithilfe und ihre Beteiligung, ohne die der Nationalsozialismus nicht funktioniert hätte.

Deutschland, du Opfer: Alle leiden und niemand ist´s gewesen

Schon nach 1945 fühlten sich die Deutschen nicht als Täter_innen, sondern vor allem als Opfer des Krieges. Bomben und „Heimatvertreibung“, sowie das Bild vom leidenden Wehrmachtssoldaten („Landser“) vor Stalingrad und die Rückkehrer aus den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern bestimmten das kollektive Bewusstsein. So fragt ein Plakat für den Film „So war der deutsche Landser“ aus dem Jahre 1955: „Helden oder Schlachtvieh?“ Erst allmählich bildete sich das Bewusstsein der deutschen Schuld. In einer Untersuchung von Schulbüchern stellt Jürgen Peter fest: „ […]‚das Elend der Millionen Flüchtlinge‘ beschreiben die Mehrzahl der betreffenden Schulbücher aus den 50er und 70er Jahren ausführlich und plastisch – im Unterschied zur rein sachlichen Darstellung des Völkermords an den europäischen Juden.“ In den Siebzigern und Achtzigern ändert sich das Bild; auch die Shoah wird nun mit plastischen Bildern geschildert.
Weil die Thematisierung deutschen Leidens hinter der Beschäftigung mit dem Leiden der Opfer der Deutschen zurücktrat, bildete sich die Legende, dass über das Leid von Deutschen angeblich überhaupt nicht gesprochen werden dürfe. Dieser Auffassung schließt sich auch Merkel an, als sie 2005 vor dem Bund der Vertriebenen spricht. Ihre Partei habe „über sechs Jahrzehnte ihren Beitrag geleistet, die Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen wach zu halten. Dies gilt insbesondere in den Jahren, als sonst niemand über das Thema sprechen wollte und man sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt sah. Dies hat sich glücklicherweise deutlich geändert.“10
Demnach galt auch der Roman „Im Krebsgang“ von Günther Grass im Jahre 2002, in dem das Leid der Vertriebenen und der deutsche Umgang damit nach dem Krieg zum Thema gemacht werden, als „Tabubruch“. Viele freuten sich, dass „endlich“ auch über die deutschen Opfer geredet werden „darf“. Daraufhin erschienen eine ganze Reihe von Büchern und Filmen (zuletzt die revisionistische ZDF-Produktion „Die Gustloff“11) zum Thema Vertreibung und Bombenkrieg.
Für letzteres steht symptomatisch das Buch „Der Brand“ von Jörg Friedrich, in dem er den Bombenangriff auf Dresden emotionalisiert schildert. Dabei verstellt das persönliche Leid den Blick auf die geschichtlichen Zusammenhänge. Obendrein stellt seine Ausdrucksweise Parallelen zwischen den nationalsozialistischen Verbrechen und den Bombenangriffen der Alliierten her: Friedrich bezeichnet die Luftschutzkeller in Dresden als „Krematorien“ und die Tatsache, dass Bibliotheken brannten, nennt er „Bücherverbrennung“. Die NPD im sächsischen Landtag spitzte das bloß zu, als sie die Luftangriffe als „Bombenholocaust“ bezeichnete.
Dies verdeutlicht die Strategie des Opferdiskurses: Unter einer Menge an persönlichem Leid verschwindet die politische Dimension, werden alle zu gleichberechtigten Opfern eines fürchterlichen Schicksals.

Exportschlager Erinnerungskultur: Bewältigung und humanitäre Kriege

In der alten „Bonner Republik“ galt die deutsche Geschichte immer als Grund, sich an kriegerischen Handlungen nicht zu beteiligen. Als die Bundesrepublik aber im Zuge der Wiedervereinigung die volle nationale Souveränität zurückerlangte, wollte sie auch international wieder handlungsfähig werden. Sie musste daher geschichtspolitisch eine Umdeutung vornehmen: „Vergangenheitsbewältigung“ sollte nun heißen, dass Deutschland international „Verantwortung“ zu tragen habe. Spätestens12 mit dem Kosovokrieg wurde Auschwitz auf einmal zu einem geschichtlichen Ereignis gemacht, das Deutschland geradezu zum Kriegführen verpflichtete. Der damalige grüne Außenminister Josef Fischer betonte, dass er nicht nur „nie wieder Krieg“ geschworen habe, sondern auch „nie wieder Auschwitz“. Da die deutsche Regierung in der Politik Serbiens eine Vorbereitung eines „neuen Auschwitz“ erblickte, musste militärisch eingegriffen werden.
Deutschlands Geschichte war plötzlich kein Hindernis mehr für selbstbewusstes internationales Auftreten, sondern ein Grund dafür. Nicht trotz sondern wegen der Geschichte sollte mensch hierzulande nun stolz sein können, deutsch zu sein. Daher konnte mensch nun auch anderen Ländern beibringen, wie eine unangenehme Geschichte zu bewältigen sei. „Erinnerungskultur“ wurde ein Exportgut.
Nicht die Geschichte wurde umgedeutet, einzig die Bedeutung der Geschichte, die Lehren, die aus ihr zu ziehen sind, wurden einer gründlichen Revision unterzogen. Das Kunststück bestand darin, aus einer verbrecherischen Vergangenheit ein positives Selbstbild zu konstruieren. Merkel drückt das so aus: „Für mich […] gilt unverrückbar: Nur in der Annahme der Vergangenheit Deutschlands liegt das Fundament für eine gute Zukunft. Nur indem wir uns zur immerwährenden Verantwortung für die moralische Katastrophe der deutschen Geschichte bekennen, können wir unsere Zukunft menschlich gestalten.“13
Die Lehre aus Auschwitz ist nicht mehr, Nationalismus und Kriege unter Generalverdacht zu stellen, sondern sich mit einer gedenkenden Nation zu identifizieren, auf das Gedenken stolz zu sein und dies als moralische Erhebung zu erfahren, die befähigt, im Namen dieser Moral andere Länder mit Krieg zu überziehen.

Überall Widerstand: Superstauffe und der Aufstand des Gewissens

Das Gewissen der Deutschen lässt sich auch dadurch beruhigen, dass es einige wenige gab, die nicht bis zum Ende mitmachten. Der Widerstand hält für alle gesellschaftlichen Gruppen von Kommunist_innen über Sozialdemokrat_innen, Kirchen bis hin zu Konservativen „ihre“ Widerstandgruppen bereit. So können sich alle in die Tradition des Widerstands stellen – und so ist die Geschichte des NS nicht mehr die eigene. In den 1980er und 90er Jahren wurde der „Deutsche Widerstand“ erfunden, d.h. eine einheitliche Erzählung über alle unterschiedlichen Gruppen, die darin bestehen soll, dass alle eben Deutsche waren. Damit ließ sich auch der Staat als Ganzes in diese Tradition stellen.
Herausgehobene Bedeutung kommt dabei Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg und dem 20. Juli 1944 zu. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Verschwörer_innen vom 20. Juli im Wesentlichen die vollständige Kapitulation Deutschlands verhindern wollten, wie auch den moralischen Bankrott: Sie wussten, dass die Vernichtungspolitik kein gutes Licht auf Deutschland werfen würde und sahen, dass Deutschlands Handlungsfähigkeit nach dem Kriege eingeschränkt würde. Dies wollten sie mit einem Putsch verhindern.14
Dass Stauffenberg und Co. ein antidemkoratisches und antiliberales politisches Weltbild hatten, scheint kaum jemanden zu stören. Es heißt, sie hätten „aus den Horizonten ihrer Zeit heraus“ (Peter Steinbach) gehandelt. Da so erklärt wird, dass ihre politischen Ziele nicht an heute zu messen seien, können sie leicht zu geistigen Ahnen der Bundesrepublik erklärt werden. Ihr Attentat wird als „Tat um Deutschlands Ansehen in der Welt“ (Frank Schirrmacher) gedeutet, als „Aufstand des Gewissens“. Die einhellige Meinung besteht darin, dass Deutschland, weil es den 20. Juli 1944 gegeben hat, nicht gänzlich moralisch versagt habe, oder wie es der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU und heutige Innenminister Wolfgang Schäuble 1992 ausdrückte: „Sie gaben ihr Leben, um Deutschland zu befreien – wenn schon nicht von Hitler, dann wenigstens von der Schande, die diese Barbaren über unser Vaterland gebracht haben.“15

Geschichte wird gemacht

Wir haben einzelne Entlastungsstrategien hier mehr oder weniger schematisch aufgeführt. Natürlich treten all diese Strategien nicht isoliert voneinander auf, sondern werden (so gut es geht) kombiniert, um zu einer entlastenden Geschichtsdeutung zu kommen. Dabei sind aber immer auch Deutungen im Umlauf, die sich widersprechen. Noch ist die Geschichtsschreibung nicht abgeschlossen, der Schlussstrich nicht gezogen. Ob nur die Schlüsse aus der Geschichte oder die Gewichtung der Tatsachen im nationalen Interesse umgebogen werden oder die Fakten gleich mit, kommt auf das politische Klima an.
Es ist daher wichtig, in diesen Diskurs immer wieder einzugreifen: Die Strategien der Entlastung als politische Strategien offen zu legen und zu zeigen, wie sie funktionieren, ist eine Möglichkeit dafür. Noch wichtiger ist aber, eine Deutung der Geschichte wach zu halten, die nichts entschuldigt und nichts verstellt.

  1. Der Begriff „Mehrheitsdeutsche“ bezieht sich auf die große Mehrheit der Deutschen, die von den NationalsozialistInnen auch als solche anerkannt wurden. Damit soll hier ausgedrückt werden, dass jüdische Deutsche, deutsche Sinti und Roma, Deutsche mit Migrationshintergrund usw. eben nicht Nachfahren der TäterInnen sind, sehr wohl aber auch „Deutsche“. [zurück]
  2. Trotz der deutlichen revisionistischen und antisemitischen Töne, die Walser anschlug, fand es der damalige Bundeskanzler Schröder vier Jahre später eine gute Idee, ausgerechnet am 8. Mai mit Walser öffentlich über „„Nation. Patriotismus. Demokratische Kultur in Deutschland 2002″ zu plaudern. [zurück]
  3. Oft zitiert, geht wohl zurück auf: Bernt Engelmann, „Das neue Schwarzbuch: Franz Josef Strauss“, Köln, 1980. Die CSU bestreitet zwar die Authentizität des Zitates, Strauss selber hat Engelmann aber nie wegen dieser Darstellung verklagt. [zurück]
  4. Ernst Nolte: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 1986. [zurück]
  5. Ebd. [zurück]
  6. Rede von Angela Merke anlässlich des „Tages der Heimat“ am 6. August 2005 in Berlin; www.bund-der-vertriebenen.de/files/redemerkel.pdf [zurück]
  7. Jürgen Peter: Der Historikerstreit und die Suche nach einer nationalen Identität der achtziger Jahre, Frankfurt am Main, 1995, S. 62.. [zurück]
  8. Guido Knopp, Festvortrag „175 Jahre Hambacher Fest“, www.kas.de [zurück]
  9. Ebd. [zurück]
  10. Rede von Angela Merke anlässlich des „Tages der Heimat“ 2005; a.a.O. [zurück]
  11. Vgl. die Rezension im „Spiegel“: „ Tut-tut, hier kommt der Opfer-Dampfer“, [zurück]
  12. Schon 1994 legitimierte der damalige Verteidigungsministers Volker Rühe in einer Rede zum 20. Juli (www.20-juli-44.de) mit der historischen Verantwortung den Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen. [zurück]
  13. Rede von Angela Merkel vor dem Zentralrat der Juden; www.zentralratdjuden.de/de/article/1467.html [zurück]
  14. Siehe dazu unsere Broschüre „Fragwürdige Traditionslinien“. [zurück]
  15. Schäuble: Ihr Opfer blieb nicht vergeblich, Rede 1992. www.20-juli-44.de [zurück]