Stauffenberg im deutschen Erinnerungsdiskurs“ auf dem Kongress des Bundesarbeitskreises Kritischer Juragruppen (BAKJ)

Nicht erst seit dem Hollywoodstreifen „Operation Walküre“ ist Claus Graf Schenk von Stauffenberg ein Held im deutschen Nationalepos. Stauffenberg und das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 stehen paradigmatisch für den „Deutschen Widerstand“ gegen den Nationalsozialismus. Sie seien Vorkämpfer des Rechtstaatsgedankens und Verteidiger der deutschen Ehre gewesen. Dass Stauffenberg selbst lange Anhänger des Nationalsozialismus und Antisemit gewesen ist und bis zu seinem Tod ein erklärter Feind der Demokratie, wird mittlerweile zugegeben. Jedoch hält das niemanden davon ab, ihn doch als Vorbild in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schließlich gilt er als wichtigster Entlastungszeuge der deutschen Geschichte und seine Tat als „Aufstand des Gewissens“.
Stauffenberg ist mehr als nur eine historische Figur. Er soll erstens der Beweis sein, dass „Deutschland“ nicht vollständig moralisch versagt habe und zweitens soll er ein moralisches Leitbild für deutsche Staatsbürger_innen sein, weil er das Wohl der Nation über seine eigenen Interessen stellte und bereit war, dafür zu sterben. Mit Stauffenberg wird also sowohl rückblickend als auch für die Gegenwart ein nationales Empfinden aufgerufen.

In unserem Workshop wollen wir uns anschauen, was es mit dem eigentümlichen Gedenken an Stauffenberg eigentlich auf sich hat. Wie verhält sich historische Interpretation zu gesellschaftlich-politischen Interessen? Der Workshop soll über den Fall Stauffenberg hinaus eine Einführung in die kritische Analyse geschichtspolitischer Diskurse sein.

Freitag, den 29.10.2009 um 15:00 Uhr in der Rütli-Schule, Berlin Neukölln.