Mythos Stauffenberg: Staatstragender Geschichtsrevisionismus

Die Grenzöffnung zwischen den beiden deutschen Staaten war der Beginn einer neuen Phase, in der sich Deutschland als Nation feiert, auf die sich positiv bezogen werden könne. Dazu gehört, dass zwei begonnene Weltkriege, der Nationalsozialismus und die Shoah als Vergangenheit inszeniert werden, die über ständiges Besprechen „aufgearbeitet“ und damit abgewickelt werden könnten. In diesem Besprechen ist eine deutliche Tendenz vorhanden, die Geschichte zu Gunsten eines besseren Deutschlandbildes zu erzählen und damit umzudeuten. Einer der Wege, mit der deutschen Vergangenheit fertig zu werden, ist die Inszenierung „deutscher Helden“, die sich dem Faschismus entgegen gestellt haben. Eine Sonderrolle spielt dabei das Attentat vom 20. Juli. Die Motive der „Heldinnen und Helden“ um Stauffenberg werden dabei entpolitisiert, sowie ihre Verwicklung in den Eroberungsfeldzug und die Verbrechen der deutschen Wehrmacht verschwiegen.
In Anlehnung an die Broschüre zu „fragwürdigen Traditionslinien“ referieren zwei Gäste von nevergoinghome über den aktuellen Geschichtsrevisionismus und die Funktion der Etablierung deutscher „Helden“ am Beispiel von Stauffenberg. Diese Heldenverehrung ermöglicht die geschichtsrevisionistische Deutung, dass es doch „gute Deutsche“ im Faschismus gegeben habe und bezieht sich zugleich positiv auf reaktionäre Werte der Opferbereitschaft und des Nationalstolzes. Auf diese Weise wird völkisch-nationalistisches Gedankengut ebenso transportiert wie ein positiver Deutschlandbezug hergestellt, der es ermöglicht, Deutschland als global player und von der Geschichte entlastete Weltmacht zu etablieren.
Veranstaltung ist eingebettet in die Kampagne zum 20. Jahrestag des Todes von Conny, die in Göttingen am 17.11.1989 von den Bullen in den Tod gejagt wurde.

04.11.2009, 20:00h, JuzI-Café, Göttingen

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