Soli-Kundgebung anlässlich der griechischen Neuwahlen

Ein Bündnis aus verschiedenen linken und antikapitalistischen Gruppen ruft zu einer Solidaritätskundgebung mit den Menschen in Griechenland anlässlich der Neuwahlen auf. Die Kundgebung findet am Mittwoch, den 13. Juni um 17 Uhr vor dem Bundeskanzleramt statt. Der Aufruf sei hier dokumentiert.

Die Rebellion der ‚Versuchskaninchen’ in Griechenland
sollte auch zu unserer Rebellion werden!

Am Sonntag finden in Griechenland Neuwahlen statt, nachdem die Wahl von Anfang Mai zu einem Patt zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern geführt hatte. Eine der antretenden linken Parteien, Syriza, kann möglicherweise stärkste Kraft werden. Allein schon diese Aussicht hat in Griechenland sowie international eine massive Stimmungsmache ausgelöst. Die Bild-Zeitung titelte: „Syriza will uns unsere Milliarden nicht zurückgeben.“ In Griechenland werden Horrorszenarien für den Fall eines Wahlsieges von Syriza an die Wand gemalt.

Wir dagegen verteidigen das Recht der griechischen WählerInnen, eine Parlamentsmehrheit zu wählen, die die Vereinbarungen mit der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF ablehnt.
Die jetzige Medienkampagne ist die Fortschreibung der Legende von der ‚griechischen Misswirtschaft’, die auf dem rassistischen Stereotyp des ‚faulen Südländers’ beruht. Der – vielmehr erst in den letzten Jahren eingetretene – Anstieg der griechischen Staatsverschuldung ist tatsächlich die Folge der internationalen Krise. International und auch in Griechenland wurden Banken durch Ausweitung der Staatsverschuldung vor den Folgen des Einbrechens der Konjunktur in der Bauwirtschaft und anderen Industriebranchen gerettet.

Mit der Kürzung von Löhnen und Sozialleistungen, sowie Einschränkung oder Untergrabung des Kündigungsschutzes, z.B. durch die Ausweitung von Leiharbeit, werden die Lasten der Krise international den Lohnabhängigen aufgehalst und mit der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und Unternehmen dem Kapital neue Profitmöglichkeiten eröffnet. Diese Entwicklung wird innerhalb der EU zurzeit in Griechenland am extremsten vorangetrieben, während Kirche und Reedereien weitgehend steuerbefreit sind. Erhebliche Teile der griechischen Bevölkerung leben mittlerweile in Armut, sind obdachlos geworden und erhalten keine ausreichende medizinische Versorgung mehr.

Dagegen wehren sich in Griechenland viele Lohnabhängige sowie Teile der von Krise erfassten KleinunternehmerInnen und Selbständigen mit Massendemonstrationen, Platzbesetzungen sowie zahlreichen – aber befristeten – Generalstreiks und vielen lokalen und betrieblichen Kämpfen.

All dies ist uns Ansporn, auch hier den Kampf gegen Reallohnsenkungen, Sozialkürzungen und Privatisierungsdruck weiterzuentwickeln und zu verstärken, sowie damit den Zirkel zu durchbrechen, dass unter heutigen globalisierten Konkurrenzbedingungen jede Lohnsenkung und jede Sozialkürzung die Lohnabhängigen in allen anderen Ländern unmittelbar unter Druck setzt.

Gemeinsam gegen Standortkonkurrenz, Demokratieabbau und Rassismus!


Vorbereitungskreis Griechenland-Solidarität:
attac Berlin, avanti, Sozialistische Initiative Berlin (SIB), Real democracy now! Berlin/GR, isl – internationale sozialistische linke, Noya Berlin und andere

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The uprising of the greek „lab rats“ should be our uprising too!

Apeal to support the manifestation on Wednesday the 13th of june at 17.00 p.m. in front of the chancellery

This Sunday, reelections will take place in Greece, as the previous elections in May resulted in a stalemate between the different political parties. This time, one of the left parties, SYRIZA, could become the leading political force. Even the chance of this happening, has evoked fierce reactions in Greece and abroad as well. The populist BILD newspaper in Germany claimed recently in its title: „SYRIZA will not give our billions back!”. In Greece, disastrous scenarios foreseeing the outbreak of chaos and terror in case of an election victory of SYRIZA are being propagated loudly.
In contrast to all that, we defend the democratic rights of the greek voters to vote for those who will reject the disastrous agreements with the troika of the European central bank, EU-comission and the IMF.
The current defamation campaign in the mainstream media is based again on the myth of the “greek missmanagement” and on the racist stereotype of the lazy southerner.
However, the sharp increase, particularly in the last years, of the public dept is indeed a consequence of the international banking crisis.
By introducing cuts on wages and social benefits, diminishing and undermining of job protections, f.e. by the expansion of the labor leasing industry, the burden of the crisis is put on the shoulders of the working class, while the privatization of public services and enterprises creates for the international capital new opportunities for profits. Greece is the place in the EU where this agenda is pushed most fiercely. As we are speaking, substantial parts of the Greek population live in poverty, are homeless and lack access to proper healthcare, while church and shipping companies barely have to pay taxes at all.
Many in Greece are fighting against all this: working class as parts of the crisis-torn middle class are fighting by means of mass demonstrations, occupations of public spaces, numerous – if temporary – general strikes, and many local struggles inside and outside their working places.
This fight inspires and drives us to further develop and intensify our struggles against descending wages, cuts on social benefits and the further privatization of public goods. It is time to break the vicious cycle of the globalized competition and realize that every cut on wages and /or on social benefits, no matter where, puts pressure on the workers all over the world.