Festveranstaltung des BdV gestört

Am 20.09.09 lud der Bund der Vetriebenen zu einem Festvortrag zum Thema: „Von Konrad Adenauer bis Angela Merkel – 60 Jahre Vertriebenenpolitik“. Es redeten neben Erika Steinbach auch Innenminister Wolfgang Schäuble und der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte und Berufsrevisionist Horst Möller.

rabbit beim bdv

Allerdings lud sich der BdV nicht nur die Vortragenden und ein interessiertes Publikum ein, sondern zugleich auch unseren Protest. Pink Rabbit und …nevergoinghome hatten dem BdV einen herzzerreißenden Brief geschrieben, in dem sie sich als Enkel von Vertriebenen ausgaben, die von ihren 68er-Eltern der Erinnerung an die Heimat beraubt worden waren.
Sie seien der „Dr.-Erich-Mende-Kreis“, benannt nach dem CDU-Minister für „Gesamtdeutsche Fragen“ und Vizekanzler 1963-1966 Erich Mende, ehemaliger Major der Wehrmacht, der stolz sein Ritterkreuz auch nach 45 auf der Brust trug und sich wiederholt tapfer um die Ehrenrettung der Deutschen verdient machte.
Dieser Unfug kam beim BdV natürlich glänzend an und wurde mit einer Einladung zum Festvortrag gelohnt.

Gerade hatte Steinbach ein paar einleitende Worte gesprochen, als vor dem Fenster Nebelhörner erklangen. Im Raum standen vier Leute auf, begannen Parolen zu rufen und versuchten ein Transparent mit der Aufschrift „Deutsche Täter sind keine Opfer“ zu entrollen, was leider misslang. Securities und engagierte Rentner waren schnell zur Stelle, entrissen den Protestierenden das Transparent und schoben sie unsanft zur Tür. Eine ins Handgemenge verwickelte umgesiedelte Person schlug verzweifelt mit ihren Unterlagen nach den Störer_innen.

Als es gelungen war, den Protest vor die Tür zu schieben, machte von draußen ein pinker Hase einen beherzten Sprung Richtung Tür und startete dabei laute Musik: „Go West“ schallte den „Heimatvertriebenen“ entgegen, doch leider schloss sich die Tür vor und ein fester Griff um den Arm unseres plüschig-pinken Freundes. Dieser Griff musste sich jedoch lösen, um den ungebürigen Lärm zu beenden. Doch der Hase wollte tanzen. Es entstand also ein kleiner Kampf um die Playtaste, begleitet von den weiterhin lauten Parolen der vor die Tür gesetzten angeblichen Traumatisierten der 3. Generation. Was mensch nicht alles für das Wohl der Vetriebenen zu tun bereit ist: sich mit einem großen rosa Hasen um einen Kassettenrekorder streiten.

Drinnen ging derweil die Veranstaltung weiter, allerdings noch längere Zeit von Tröten von draußen begleitet. Sowohl Schäuble als auch Möller bezogen sich mehrfach auf die Störung, es war ihnen wohl nicht möglich, diese zu ignorieren. Möller meinte, die Störer_innen seien „Kinder unserer Wohlstandsgesellschaft“, die nicht in der Lage seien, „das damalige Grauen“ nachzuvollziehen. Schäuble forderte dazu auf, sich von solchen Störungen „niemals beeindrucken und einschüchtern“ zu lassen, offenbar beeindruckt genug, um dies sagen zu müssen.

Nach Ende der Veranstaltung konnten die Gäste jedoch immer noch nicht ungestört nach Hause gehen. Vor der Tür tanzte wieder der Pink Rabbit vor einem Transparent mit der Aufschrift: „Der Beitrag des BdV: 60 Jahre Revanchismus“. Das andere Transparent, das gegenüber der katholischen Akademie aufgehängt wurde, trug die Aufschrift: „Heimat ist, wo die Rechungen ankommen.“

Die öffentliche Aufmerksamkeit, die sich der BdV für diesen Tag gewünscht hatte, bekam er allerdings nicht. Lediglich die Junge Welt und das Neue Deutschland erwähnten die Veranstaltung, allerdings interessierten sie sich nur für unseren Protest.

Wir danken für die nette Zusammenarbeit mit Pink Rabbit und Subcutan.

Bilder und Videos auf www.pink-rabbit.org

Auch 3sat Kulturzeit berichtet über die Aktion im Rahmen eines Berichtes über „künstlerische APO“ – wobei sie die Störaktion in eine Kunstaktion umdeklariert: Kunst darf stören und stört deshalb nicht wirklich. So gelingt es Kulturzeit, Nationalismuskritik als „Frage, die sich etablierte Partein selten stellen“ zu bezeichnen und als konstruktiven Beitrag innerhalb einer zivilgesellschaftlichen Bürgerdemokratie zu verkaufen, anstatt als deren Negation.

Inhaltlich zur Veranstaltung: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57621